dead gone

 

 

 

dead gone

after all

it is long gone

in the dawn

there’s no call

no one

no one’s coming

here aroun’

 

all went

it all went

so wrong

coffin nails

are bent

so long

fairy tales

all so wrong

 

all your

all your laughter

frightens me

ever after

here’s the key

so contagious

a disease

the deceased

 

 

dead gone

no more laughter

dead gone

still remain

dead gone

ever after

to fawn upon

attempts in vain

 

 

( Yehuda Schenef, July 2008)

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Published in: on August 27, 2008 at 10:51 am  Schreibe einen Kommentar  

mittendrin

mittendrin

aus der Mitte gekommen

mitgenommen

genau genommen

mitten entzwei

(Margit Hummel, 29. Feb. 2000)

Published in: on August 18, 2008 at 12:59 pm  Schreibe einen Kommentar  

The Angel of Dead

A sort of solitude

Caused me to listen

To an unheard voice

 

The language of stones

Whispered illegible

Invisible, thrice

 

Stoned silence

Yells in the air

Each letter a siren

 

The fragments of life

Shattered in the mud

Faded dim-light stories

Of three flower buds

 

 

 

The Dead

They have chosen me

The Dead

They’ve singled me out

From the Living

To be

 

To be

their speaker

their messenger

their angel

 

Each of them

Is telling me

History

To be told

The Rabbis, the babies

The young and the old

 

Tell them

They say

Tell them:

I was someone

 

Tell them

They dun me

To tell you:

There has never been

Another time

 

The Dead do not praise

Neither the voiceless*

 

So I speak

Their plain speech of desire

So I speak words of wisdom

Although their voice

Never will be mine

 

Everything

I am speaking of

I am not

 

Since I am still alive

I am nothing

 

Even tough I speak

Because I speak

 

My hands are tied

My tongue is tired

 

 

————————————– 

(Yehuda, dedicated to the Deads of Kriegshaber, Pfersee and Steppach at the Jewish Cemetery of Kriegshaber,

7th of Av 5768 )

 

(* Psalm 115.17)

 

 

 

Published in: on August 15, 2008 at 9:22 am  Comments (1)  

Wortschwanger liederträchtig

 

 

merkwürdiger Zustand

geburt

drücken, ziehen, schwären

mehr wähnen

als wissen

 

hoffnung

angst

zuversicht mit einschränkung

 

Vor der grenze stehen

 

nicht stehen

bleiben können

 

zurückschrecken vor dem nächsten

 

schritt

 

des Todes hauch

gewahr

 

der vom Leben trennt

 

beides zugleich

sterben und leben

 

Lieben

 

 

 

Margit Hummel 2.8.2008

 

Published in: on August 12, 2008 at 4:34 pm  Schreibe einen Kommentar  

Sicher

 

 

Siehe – eine junge Frau,

der Geist ihrer Jugend kam über sie

und siehe – sie empfing und

wurde schwanger

Sie gebar kein Kind

Zu groß war ihre Last:

den Vater, den sie pflegte

Ihre Arbeit, für die

sie kaum den Mindestlohn bekam

bescheiden

gerade was sie zum Leben brauchte

und davon sollte sie nun das neue Leben

ernähren?

Sie könnte sicher keine Beiträge

zur Rentenversicherung mehr aufbingen

sie würde mit Sicherheit verhungern

im Alter

Hoffnungsloses Zeichen:

Eine junge Frau wird schwanger und

gebiert kein Kind

sein Name wird sein

Ich wäre sicher gerne bei euch sicher gewesen.

 

Margit Hummel 8.12.2007

 

Published in: on August 12, 2008 at 4:32 pm  Schreibe einen Kommentar  

Advent

 

 

Es stirbt das Kind

noch ehe es geboren.

Die Nacht, die Leben birgt,

hat es vor Tag verloren.

Es schweigt des Atems stiller Hauch.

 

Es ruht das Hoffen

 

als wenn der Himmel

Berg und Täler

alle Erden

offen

kein Jammern und kein Klagen

banges

langes

Zagen

und irgendwo ein Dornenstrauch.

 

Margit Hummel 1.12.2007

 

Published in: on August 12, 2008 at 4:30 pm  Schreibe einen Kommentar  

nihil novi sub sole

 

nihil novi sub sole

et altera pars audiatur

nihil novi audiatur

et altera pars sub sole

nihil partis audiatur

et nihil alteri sub sole

nisi amor vel clamor

 

Margit Hummel 24.5.2000/ 10.1.2007

Published in: on August 12, 2008 at 4:27 pm  Schreibe einen Kommentar  

Flexibilität im reflektionsarmen Raum

 Wenn man die Gelegenheit bekommt, einem sog. „Global Player“ bei seiner Arbeit zuzusehen, sollte man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Eine solche Gelegenheit bot sich beim Computerhersteller Fujitsu-Siemens (FSC) , der zur Werksbesichtigung geladen hatte.  

Das Unternehmen ist ein im Oktober 1999 zustande gekommener Zusammenschluss der  Fujitsu Limited aus Tokyo und der Münchner Siemens AG, die beide jeweils genau 50 % der Aktienanteile halten. Im Geschäftsjahr 2006 erwirtschaftete das Unternehmen bei einem Umsatz von etwa 6.9 Milliarden Euro einen Gewinn vor Steuern in der Größe von 91 Millionen Euro. Mit den deutschen Produktions- und Entwicklungsstandorten Augsburg, München, Paderborn und Sömmerda und dem kalifornischen Sunnyvale waren im April 2007 rund 10.700 Personen im Unternehmen beschäftigt. Zudem stehen weltweit ca. 35.000 Vertragshändler zur Seite.   

Das Werk beschäftigt derzeit am Standort Augsburg neben ca. 2000 eigenen Mitarbeitern noch ca. 600 weitere von sog. Leihfirmen und gliedert sich dabei in drei wesentliche Produktions- und Montagestätten. Selbst produziert werden freilich nur die Motherboards, die für Groß- aber auch Einzelkunden nach spezifischen Wünschen angefertigt werden.   Die erste Station der Führung navigierte uns in den akustischen Laborraum. Der „reflexionsarme Raum“ (engl. semi-anechoic room) ist ein nahezu schalldichter Laborraum, dessen Wände mit Absorbermaterialien (radiation absorbent material, kurz RAM) wie etwa Glas- oder Mineralwolle verkleidet sind, die die Energie des auftreffenden Schalls absorbieren und in Wärmeenergie umwandeln und deshalb nahezu keinen Schall reflektieren. Je nach vorgesehener tiefster absorbierender Frequenz, kann eine solche Auskleidung mit Keilen („Pyramiden“) bis zu einem Meter oder mehr von den Seitenwänden und der Decke in den Raum hineinreichen. Dies verleiht auch der FSC-Einrichtung die bekannte charakteristische Optik. Zweck dieser Kammern ist im Allgemeinen die Schallleistung von Geräten, Maschinen oder Fahrzeugen zu bestimmen oder um Messmikrophone zu kalibrieren. Hier nun testet das Forscherteam von FSC ihre „Prüflinge“, also Computer unter möglichst hoher Peripherieauslastung, um einen den geringsten Geräuschpegel zu erzielen. Dazu werden die Geräte in ihrer jeweiligen Testanordnung auf einem metallfreien Tisch aufgebaut, der sich wiederum auf einer Drehscheibe befindet. Sodann wird der Raum verschlossen und der Testvorgang mittels einer Kamera von Außen überwacht. Für die Führung freilich wurde ein laufender Test unterbrochen und sobald die Türe geschlossen war klangen die Stimmen des Werksführers und der Fragenden seltsam dumpf und ohne Stimmvolumen, so als säße man in einem Karton, ein Effekt, der die meisten Besucher sichtlich überrascht.     

Die Mineralwolle der „Pyramiden“ sind ein besonders wirksamer, nichtbrennbarer Dämmstoff, dessen Fasern Hautreaktionen wie Juckreiz auslösen können und dessen Stäube im Verdacht stehen, krebserregend zu sein – was der Werksführer, trotz einiger bereits etwas brüchiger Spitzen freilich nicht thematisiert – jedoch mangelt es in der Umgebung des Laborraums freilich nicht an Warn- und Hinweisschildern, dass Brände in der Absorptionskammer unbedingt und ausschließlich mit CO² (Kohlenstoffdioxid) zu ersticken sind und ein mannshohe rote Gasflasche steht folglich auch nicht zufällig griff- und einsatzbereit neben der Türe. Die Absorption im Radiofrequenzbereich kann eine enorme Hitze entwickeln und die Testgeräte bei einem Defekt ggf. in Brand setzen. Die Nachfrage, wie oft es zu Bränden käme, ignorierte oder überhörte der Führer und kam stattdessen auf dem Weg zur nächsten Station der Führung auf die außerordentlichen Standortvorteile in Augsburg zu sprechen. Dieser nämlich ergebe sich durch die unmittelbare räumliche Nähe zwischen Forschung und Produktion, weshalb neue Erkenntnisse einerseits und praktische Erfahrungen andererseits sich rasch und auf kurzen Wegen gegenseitig begünstigen können. Wo andere Hersteller also darauf warten müssten, bis fehlerhafte Produktionen zwischen Entwicklungs- und Herstellungszentrum oft bis zu acht Wochen mit dem Schiff unterwegs seien, brauchte man am Standort Augsburg nur ins Nebengebäude gehen und könnte Hand in Hand zusammenarbeiten. Wenn man beiseite lässt, dass Konkurrenten des Unternehmens das kaum anders handhaben dürften, klingt dies zunächst in der Tat beeindruckend, jedoch ließen sich Dank FedEx, UPS und Co. wohl selbst dann auf verschiedenen Kontinenten liegende Orte binnen kürzester Zeit über die Versendung von Express-Frachtgütern, überbrücken, von selbstverständlich gewordenen Technologien wie e-mail, Videokonferenzen und dergleichen ganz zu schweigen. Aber nun gut, die Legende sei als Lokalpatriotismus verziehen.   

Der ganze Stolz und Kernstück der Firma sind die vor Ort gefertigten Motherboards (die freilich in der Produktsuche des Online-Shops nicht erhältlich sind). FSC verfügt dabei über eine reiche Erfahrungen im sog. „Enterprise Computing“, d.h. dass  spezifische Anforderungen gemeinsam mit dem Kunden als „maßgeschneiderte IT-Lösungen realisiert“ werden. Das Unternehmen zählt wegen seiner ungeheueren Flexibilität in diesem Bereich „zu den führenden Anbietern professioneller PC-Lösungen für Geschäftskunden und ist zudem der europäische Marktführer im Privatkunden-Markt.“ Eine Formulierung die freilich der Präzision bedürfte, ob dies auf den europäischen Markt im Allgemeinen oder auf die rein europäischen Konkurrenten bezieht. Wenngleich Personal Computer heutzutage praktisch in jedem Haushalt verbreitet sind und wohl auch alle Teilnehmer der Führung persönlich damit in der einen oder anderen Weise privat, im Studium oder geschäftlich vertraut sind, lässt sich dieser Themenkomplex nicht näher spezifizieren, denn für den gemeinen Konsumenten spielt es keine zu große Rolle, ob das Motherboard („Was genau ist das eigentlich?“) nun über 2- oder 3-DIMM-Memories, über 2x, 4x oder gar 8x AGP-Slots und dergleichen verfügt. Allenfalls in der „Glaubensfrage“ Intel oder AMD blitzen unter den Besuchern kurzfristig jeweils entsprechende Bekenntnisse auf („Intel ist besser!“ – „Ich war mit AMD bislang immer zufrieden!“). Zwar wird nicht klar, worin genau sich nun die Variabilität der FSC-Motherboards in der Bandbreite von nicht minder vielseitigen Konkurrenten wie Micro-Star, ASUS und anderen unterscheiden soll, aber das Interesse wendet sich nun zurecht der Produktionsstätte selbst zu.   

Wir betreten eine große Halle, auf die wir nun über eine Galerie einen guten Blick auf insgesamt zehn Produktionsreihen haben. An den Decken herab hängen über den einzelnen Produktionsschritten erklärende Tafeln, die es ermöglichen, nachzuvollziehen, um welche Einheit es sich jeweils handelt. Die Beschriftungen sind in deutscher Sprache und Englisch untertitelt und dienen wohl eher der Orientierung der Galeriebesucher als den Mitarbeitern, die sie von unten wohl nur schwerlich lesen können, zumal der Anteil russischer und türkischer Arbeiter erkennbar nicht gering ist. An jeder Einheit der einzelnen Linien sind – erstaunlich wenige – Personen damit beschäftigt, ihre jeweilige Maschine mit den erforderlichen Teilen zu versehen, damit im Laufe der Produktionslinie das gewünschte Motherboard inkl. Lötung entstehen kann. Hier wird rund um die Uhr in drei Schichten gearbeitet und bei einem Automatisierungsgrad von 90 % ein täglicher Output von etwa 12.000 Einheiten produziert. Die Mitarbeiter von zwei Linien bilden jeweils eine „Leistungsgruppe“ und werden entsprechend ihrer Leistung mit Prämien zu ihrem Grundlohn vergütet. Damit sich dies nicht negativ auf die Qualität der Produkte auswirkt werden auch die Arbeitszeiten der Kontrolle und Reparatur hinzugerechnet, was wie auch immer zu einer nicht geringen Fehler- oder Ausschussquote von rund 3 % führt. Die einzelnen Arbeiten der Beschäftigten mögen zwar monoton wirken oder auch sein, jedoch habe sich erwiesen, so erklärt der Führer, dass die meisten Beschäftigten keineswegs zu abwechslungsreiche, sondern eher überschaubare, leicht beherrschbare Arbeitsschritte für sich wünschten, in denen sie sich auch mühelos zurecht fänden. Die so nun gebildeten Leistungsgruppen nennt der Werksführer liebevoll „Familien“, muss auf Nachfrage aber auch eingestehen, dass auch hier der Anteil von Leiharbeitern stetig wächst. Dieser ist in der nächsten Halle, in der die Bestückung und Montage der Endgeräte stattfindet freilich noch weit höher und beträgt hier sodann rund 50 % der dortigen Belegschaft. Die neue Halle beginnt mit einem Trainingszentrum für eben jene von Zeitarbeitsfirmen angeforderten Hilfskräfte, in welchen sie mit allen erforderlichen Arbeitsschritten, die auf sie zukommen können, vertraut gemacht werden, ehe nach drei Tagen entscheiden wird, ob sie nun für Fujitsu-Siemens arbeiten dürften. Dazu erzählte der Werksführer eine vielleicht aufschlussreiche Anekdote. So sei es einmal dazu gekommen, dass die Mitglieder des Firmenmanagements eben auch in der selben Trainingseinrichtung beschäftigt wurden, um die erforderlichen Arbeitsschritte sozusagen als „practical knowledge“ eigenen Leib zu verstehen und zu vollziehen. Am Ende ihrer dreitägigen Erkundung wurden sie sodann von ihren „Ausbildern“ befragt, was sie, nunmehr in die Produktionsabläufe geschult, als tägliche Arbeitsleistung empfehlen würden. Die Antworten der Manager rangierten in der Größenordnung von 15 bis 20 montierter Geräte pro Mitarbeiter und Schicht. Umso erstaunter sollen sie sodann gewesen sein, als man ihnen sagte, dass ein neu angelernter Leiharbeiter, der am Tag unterhalb von 40 montierten Geräte bliebe, am nächsten Tag gar nicht mehr zur Arbeit erscheinen brauche. Ob diese direkte Erfahrung nun für die Manager leerreich war, ist freilich nicht überliefert. In der Montage, wo nur im Zweischichtbetrieb gearbeitet wird, werden alle erforderlichen Einzelteile für das Endgerät in schwarzen Kisten gelegt, ehe sie am Ende dann in eigenen Montagelinien vollständig montiert werden müssen. Von Leistungsgruppen oder Familien ist hier nicht mehr die Rede, was vielleicht an der hohen Quote an Leiharbeitern liegt. Jedoch bezeichnete der Referent jene Station in der die Festplatten der späteren PCs ihre Seriennummer aufgeklebt bekommen, als „Entbindungsstation“ und schon im nächsten Schritt werden die Neugeborenen sodann mit der gewünschten Software „betankt“, was je nachdem 20 bis 60 Minuten dauert. Für die Montage bleiben den dafür beschäftigten Personen nun bloße sechs Minuten Zeit. Das verblüfft alle Teilnehmer der Führung.   Dazu stehen die Arbeiter an Tischen die mit dem entsprechenden Werkzeug ausgestattet sind, wovon ein elektrischer Schraubenzieher offensichtlich die Hauptwaffe im Kampf um Präzision und Zeit ist. Doch selbst dieses Tempo wird noch getoppt, als wir erfahren, dass in der Verpackungsabteilung nur 15 Sekunden benötigt werden, um den fertig montierten und zuvor nochmals geprüften PC zu verpacken. Tatsächlich arbeiteten aber vier Personen Hand in Hand, wobei jeder Handgriff sitze, so dass gewissermaßen die Arbeit von einer Minute auf eben jene 15 Sekunden „in Echtzeit“ reduziert würde. So sehen bekommen wir das freilich nicht, doch spätestens an diesem Punkt ist es klar, dass in der Werksführung das Gespräch mit den Arbeitern fehlt, um deren praktische Erfahrungen mit diesen und jenen Rekordzahlen zu erfragen. Spüren sie einen Unterschied, wenn sie ein Gerät in 13 oder 23 Sekunden verpacken, liegt der Hausrekord bei 9 Sekunden oder reicht es an heißen Tagen und einer sieben Stunden Schicht vielleicht nur noch für 33 Sekunden?

Die Frage danach, ob es denn auch eine hauseigene Abteilung für die Ausarbeitung von Optimierungs- und Planungskonzepte gibt, liegt in der Luft und wird, obwohl überflüssig, trotzdem gestellt. Unser Führer bejaht dies natürlich und gibt bekannt, dass er dieser sogar angehört und dass dies seine eigentliche Arbeit bei Fujitsu-Siemens sei, nicht etwa Werksführungen. Da wechsle man sich in den Abteilungen ab. In der angefragten Abteilung sind insgesamt sieben Personen beschäftigt, wovon sich drei allein mit der Auswertung der erfassten Daten befassen. Das kann man sich gut vorstellen. Man beachtet die Abläufe, stoppt die Zeiten, berechnet Durchschnittswerte, vergleicht sie mit den Idealwerten, sucht Schwachstellen, fertigt hübsche Schaubilder und wird sich überlegen, ob man hier und dort mehr auf das Konzept der „Familie“ setzt oder aus Kostengründen doch etwas mehr auf Leiharbeiter. Die vier anderen Mitarbeiter des Teams befassten sich nun eben mit genau diesen Fragen, wie einzelnen Arbeitsschritte noch mal optimiert und verbessert werden könnten. Zweifellos ist das eine äußerst wichtige und ernsthafte Angelegenheit für das Unternehmen, dass es in dieser Branche mit zahlreichen Konkurrenten zu tun hat, die in asiatischen Billiglohnländern produzieren. Jede Ersparnis an Zeit und Personal kann dabei zum wettbewerbsentscheidenden Merkmal werden. Das liegt auf der Hand. Und zweifellos stehen sich die Anforderungen in der Ersparnis an Zeit und an Personalkosten widersprüchlich gegenüber, denn je mehr man auf angelernte Leiharbeiter setzt, umso mehr geht auch wieder für die Einarbeitung und der Inkaufnahme von einer höheren Quote an Ausschuss wieder an wertvoller Zeit verloren, so dass es fast ein Nullsummenspiel ist, denn qualifizierte, fest angestelltes Personal erfordert im Gegenzug wiederum höhere Personalkosten. Obgleich das frühere Limit für Zeitarbeiter abgeschafft wurde, dass es nur maximal für ein Jahr erlaubte einen Leiharbeiter in einem Ausleihbetrieb am Stück zu beschäftigen – was faktisch für zwei recht unterschiedlich entlohnte Klassen von Beschäftigten in den Unternehmen und damit auch für einen gewissen sozialen Unfrieden sorgt – ist die Fluktuationsrate bei Leiharbeitern nach wie vor sehr hoch. Auf der Lohnkostenseite ist die Ersparnis für den Ausleihbetrieb längst nicht so wirksam wie man vermuten möchte, da Zeitarbeitsfirmen oft 20.- € und mehr pro Arbeitsstunde vom Entleiher bekommen – davon landen nur etwa 7.50 € brutto beim Leiharbeiter selbst – jedoch rentiert es sich in Bezug auf die hohen Sozialabgaben, insbesondere bei Krankheiten oder Unfällen, denn für den erkrankten Leiharbeiter bekommt der Entleiher sofort Ersatz, während die Zeitarbeitsfirma das soziale „Problem“ schultert. Logischerweise liegt die Optimierungsstrategie vor allem im Vereinfachen der Arbeitsabläufe und folglich auch in einem noch höheren Grad an Automation. Vorbild dafür ist, wie uns der Führer sagt, nach wie vor Toyota, wobei man berücksichtigen müsse, dass es doch einige wesentliche Unterschiede zwischen Japan und Deutschland gebe. Beispielsweise setzte man weit weniger Personal ein, als die Japaner und zudem sozialverträglich auch ältere Menschen über dreißig Jahre, die man in einer japanischen Fertigung praktisch nicht sehen würde. Auch in der Unternehmensphilosophie gebe es hier Unterschiede. Während hier im Werk im Produktionsablauf überall Puffer vorhanden wären, die es erlauben, auftretende Probleme, Fehler und Engpässe zeitweilig zu kaschieren, vertrete man dort die Auffassung, dass Fehler auch wehtun müssten. Zur Not stünde dann eben die Produktion still bis Fehler gefunden und das Problem gelöst sei.

„Wir Deutsche haben da eine andere Mentalität und wollen Fehler lieber kaschieren, sie überspielen – aber damit behalten wir die Schwächen dann eben auch ein Stück weit“. Das ist zweifellos eine interessante, wenngleich auch nicht widerspruchsfreie Ausführung, gerade hinsichtlich des zuvor betonten hohen Automationsgrades, aber die Führung neigt sich ihrem Ende zu und so sehen wir zuletzt am Ende der Halle noch die offenbar neue Einrichtung ergonomischer neuer Arbeitstische, die u.a. auch höhenverstellbar sind und den Arbeiterinnen ermöglichen, wahlweise sitzend oder stehend zu arbeiten. Diese Plätze, so erfahren wir, sind nun speziell für ältere Arbeitskräfte geschaffen worden – wobei unklar bleibt, warum jüngere an ergonomischen Arbeitsplätzen kein Interesse haben sollten – von denen wir freilich nur Personen sehen, die kaum älter als Mitte vierzig sein konnten. Trotzdem aber ist dies ein sozialer Aspekt, der in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung, durchaus zur Unternehmensphilosophie des Unternehmens gehöre.     

Mit dem Verlassen der Halle gelangen wir nun zu einer Durchgangs- und Verbindungshalle in der an der Wand Schautafeln und Glasvitrinen Aufschluss geben über die interessante historische Vorgeschichte des Standorts, an dem man 1986 bei seiner Errichtung, bzw. Ausbau beim Ausheben auf jungsteinzeitliche bis vorrömische bronzezeitliche Gräber- und Urnenfelder stieß. Gezeigt werden einige Überreste von „Speichermedien“ aus späterer hallstättischer Zeit mit den charakteristischen geometrischen Einkerbungen jener Epochen. Naturgemäß würde mich dies als Historiker noch weit mehr interessieren als die eigentliche Werksführung, doch zum Abschied bleibt keine Zeit, um die Eindrücke zu vertiefen, richtet sich zuletzt doch auch der Fokus noch ein mal auf die Optimierung der Arbeitsabläufe bei Fujitsu-Siemens Computers und der betriebseigenen Systematik Verbesserungsvorschläge seitens der Mitarbeiterschaft anzuregen und mittels Sachprämien zu belohnen. Dazu lagen an einem Stand Broschüren aus, die wir auch mitnehmen durften. Der Mitarbeiter formuliert dabei als „Einreicher“ unter Angabe seiner Abteilung und Mitarbeiternummer – was Leiharbeiter freilich ausschließt – seinen Verbesserungsvorschlag („VV“) und begründet in einem Textfeld „Warum und wie soll verbessert werden?“ Direktvorschläge („kann sofort eingeführt und von der Führungskraft prämiert werden“) werden nun danach bewertet, ob sich der VV an einem Arbeitsplatz, an mehreren einer Abteilung gleichzeitig, in einem Hauptbereich oder gar in verschiedenen Hauptbereichen auswirkt. Entsprechend gestaffelt werden dann nach dem „Nutzwert“ des Vorschlags auch die dafür vorgesehen Ideen-Punkte, die sich dann in Sachprämien bezahlt machen. Die zu vergebenden Prämien reichen sodann von einer Strandtasche (10 Ideenpunkte) bis zu einem neuen hauseigenen Laptop (1980 Ideenpunkte). Für letzteren müsste man freilich bereits mehr als sechs umgesetzte Verbesserungsvorschläge (je 300 Ideenpunkte) vorweisen, die sich jeweils in verschiedenen Hauptbereichen des betrieblichen Ablaufs zugleich auswirken. Aufgaben und Anforderungen, für die sonst wahrscheinlich bei etwas höherer Entlohnung das Planungsmanagement, sprich die Firmenleitung zuständig sein sollte. Anreize jedoch sind Anreize und nicht gering zu schätzen. Findet so beispielsweise nun eine Verpackungskraft eine Möglichkeit wie sich künftig die durchschnittliche Verpackung eines PCs von 15 auf 14 Sekunden senken lässt, so wäre dies definitionsgemäß ein VV, der sich „an mehreren Arbeitsplätzen in einem bereich“ auswirkte. Je nach Wirkungsgrad des Vorschlags könnte dies als zwischen 50 (entspricht der Sachprämie einer elektrischen Zahnbürste) und 250 Ideen-Punkte (das könnte fast für einen elektronischen Insektenvernichter reichen) einbringen, vorausgesetzt, der „Einbringer“ macht sich bei seinen Arbeitskollegen damit nicht zu unbeliebt. Getreu des Firmen-Slogans „We make sure“ wäre dies ggf. zu erwägen.   

Als Fazit bleibt festzustellen, dass Fujitsu-Siemens Computers, als Europas größtes Computerunternehmen mit Sitz im niederländischen Maarsen sich als sog Global-Player gut aufgestellt hat, wobei insbesondere der Standort Augsburg durch die vor Ort entwickelten und gefertigten Mainboards realistische Chancen hat, sich im weiter zunehmenden internationalen Wettbewerb zu behaupten, wenngleich auch erkennbar ist, dass dessen Druck die bereits vorhandene Ausrichtung hin zu noch mehr Automation und Einsatz von Leihkräften weiter verstärken wird. Viel wird davon abhängen, wie sich der Markt der nächsten Jahre allgemein entwickelt.    

(Yehu, Juni 2007)

Published in: on Oktober 16, 2007 at 9:31 pm  Comments (4)  

Emmy Gratia

   Emmy Gratia 

  • Emmy Gratia

  • Wie schön ist dein Name

  • Emmy hat volle Lippen

  • Eine Wespentaille

  • Und einen fetten Arsch

  • Zwei Wassermelonen

  • Mit dem Wunsch, dem Decolté zu entspringen

  •  

  • Sie lockt uns mit dem Finger

  • Und wir willigen in alles ein

  • Sie ist eine lockende Fata Morgana

  • Am Horizont, nur ein Schritt

  • Im Flug, nur eine Stunde

  • Und schon bist du Emmys Grand

  • Ein Adliger, und hast die Frau eines Adligen

  • Oh unglücklicher, mittelloser Grand

  • Der du endlich dein Eldorado fandest

  • Verwundeter Konquistador

  • Dessen Lanze an der Tür des Sozialamts zerbrach

  • Du draufgängerischer Cortez

  • Der du dein verhungertes Pferd auf einer Müllhalde begrubst

  • Und die glänzende Rüstung am Flohmarkt verkaufte

  • Für einen gebrauchten Farbfernseher

  •  

  • Immigration – die Eroberung der Welt

  • Alter Pizarro – der du herumsitzt

  • Und in die Leere deiner eroberten Welt starrst

  • In der dir unbekannt geblieben Sprache

  • Der Eingeborenen brabbeln deine Kinder nun

  • Und nur noch eine leere Scheide an der Wand

  • Erinnert an deinen glorreichen Feldzug

  • Der in der Sozialhilfe endete

  • Und in einer gelegentlichen Flasche Bier

  • Zum Herunterspülen der Werbung

  • Für Wurst, Spitzenkaffee und Zahnpasta

  •  

  • Oh, wie graziös führst du die bayerische Flasche zum Mund …

  •  

  • (Jakow Samoylovych)

Published in: on Oktober 16, 2007 at 9:24 pm  Schreibe einen Kommentar  

Ein Bild der Depression

Finster sind die Tage

Im bunten Neonlicht

Furchtsam stumm die Klage

Fressende Hunde bellen nicht

 

Als Predigt wird Konsum

Zur inneren Mission

Es rettet uns der Boom

Er bringt uns Bort und Lohn

 

Der Generation ohne Generator

Liegen die Hände sanft im Schoß

Doch der kluge Mann baut vor

Und wird nicht arbeitslos

 

Leihgabe Jesulein LEW AugsburgLeihgabe Jesulein, LEW Schaezlerstraße Augsburg (Dezember 2002)

 

Gestern noch „ein junger Gott“

Per Autosuggestion

Schon fast bankrott

Ein Bild der Depression

 

Reformen braucht das Land

Rauscht es im Blätterwald

Propheten kritzelns an die Wand

Als Lebensunterhalt

 

Die Politik der Redenschreiber

Regiert mit Beratungsvertrag

Denn das Konsortium der Betreiber

Besitzt den Lehrauftrag

 

Demokratie nur noch beim Grand Prix

Die freie Wahl beim Tele-Voting

Von Reality- zum Pay-TV

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

 

(Yehuda Shenef – 5. Februar 2004)