השלש עשרה מידות

א. מקל וחמר
ב. מגזרה שוה
ג. מבנין אב מכתוב אחד ומבנין אב משני כתובים
ד. מכלל ופרט
ה. מפרט וכלל
ו. כלל ופרט וכלל אי אתה דן אלא כעין הפרט
ז. מכלל שהוא צריך לפרט ומפרט שהוא צריך לכלל
ח. כל דבר שהיה בכלל ויצא מן הכלל ללמד לא ללמד על עצמו יצא אלא ללמד על הכלל כלו יצא
ט. כל דבר שהיה בכלל ויצא לטעון טוען אחד שהוא כענינו יצא להקל ולא להחמיר
י. כל דבר שהיה בכלל ויצא לטעון טעון אחד שלא כעינינו יצא להקל ולהחמיר
יא. כל דבר שהיה בכלל ויצא לדון בדבר החדש אי יכול להחזירו לכללו עד שיחזירנו הכתוב לכללו בפרוש
יב. דבר הלמד מעינינו ודבר הלמד מסופו
יג. כן שני כתובים המכחישים זה את זה עד ש’בוא הכתוב השלישי ויכריע ביניהם

(ברייתא דר ישמאל ספרא פתיחה)

Published in: on Dezember 31, 2006 at 4:48 pm  Schreibe einen Kommentar  

Der Weihnachtsbaum im Panikraum

 

Man musste schon zwei mal hinsehen, als in der letzten Woche internationale Agenturmeldungen (z.B. http://www.kurier.at/nachrichten/ausland/44054.php) kundgaben, dass im EU-Mitgliedsland Groß Britannien ein Großteil der öffentlichen und betrieblichen Weihnachtsfeiern abgesagt wurden, weil Muslime daran Anstoß nehmen könnten. Ein verspäteter April-Scherz im Advent konnte es auch nicht sein. Nach der Einschätzung zahlreicher britischer Arbeitgeber und Stadtverwaltungen gelten öffentliche Weihnachtsfeiern nicht mehr länger als „politisch korrekt“. Von 5.000 britischen Unternehmen wollen etwa 80 Prozent in diesem Jahr keine Party veranstalten, so das Ergebnis einer Umfrage der angesehenen Anwaltskanzlei Peninsula, die sich auf Arbeitsrecht spezialisiert. Etwa 74 Prozent der befragten britischen Arbeitgeber verbieten laut Peninsula sogar Weihnachtsbäume und Weihnachtsschmuck, um andersgläubiges Personal nicht zu beleidigen. Das seien 71 Prozent mehr als im Vorjahr. So ließ etwa auch die Royal Bank of Scotland, Großbritanniens zweitgrößte Bank, ihre Mitarbeiter in der Londoner City wissen, dass das Aufhängen von Weihnachtsschmuck „aus Sicherheitsgründen“ nicht gestattet sei. In einigen britischen Großstädten verbieten die örtlichen Behörden Weihnachtsschmuck und Lichterketten in Einkaufszentren und Fußgängerzonen. Außerdem würden traditionelle Weihnachtsveranstaltungen „säkularisiert“, so Peter Done von Peninsula. Politische Korrektheit herrscht unterdessen auch im britischen Fernsehen: Außer der Queen wird in diesem Jahr eine völlig verschleierte Muslimin eine Weihnachtsansprache halten.  

Zeitgleich erregte eine Kontroverse im amerikanischen Seattle die Gemüter in den USA. Rabbi Elazar Bogomilsky hatte im vorweihnachtlichen Schmuck des Flughafens einen Chanucka-Leuchter vermisst und daraufhin dem Seattle-Tacoma-Flughafen mit einer Klage gedroht, sollten sie der Gerechtigkeit halber nicht auch einen achtarmigen Leuchter anlässlich des jüdischen Lichterfestes im Gebäude aufbauen. An statt nun einen Chanucka-Leuchter zu integrieren – wofür es weder vom jüdischen noch vom christlichen Standpunkt ein plausibles Argument gibt –  beschloss die Flughafenleitung umgehend, die gesamte Dekoration zu entfernen. Das nun wiederum bedauerte der Rabbiner zutiefst, denn seine Absicht habe sich ja überhaupt gar nicht gegen das christliche Weihnachtsfest und den entsprechenden Schmuck gerichtet, wie er von seinem Anwalt verkünden ließ. Vielmehr sollte sich mit seiner Anregung die kulturelle Vielfalt der Region im Nordwesten der USA widerspiegeln. 

So unterschiedlich die Motive am Flughafen in Seattle und in Groß Britannien auch sein mögen, zeigen sie doch ein gemeinsames Konfliktfeld auf, das die Gesellschaften auf beiden Seiten des Atlantiks gegenwärtig beherrscht. Wie geht eine Mehrheitsgesellschaft mit den Belangen von Minderheiten um und wie reagiert sie im nervösen Gesichtskreis des sog. Anti-Terrorkampfs psychologisch mit den Nebeneffekten von Bedrohungspotentialen und eigenen kulturellen Errungenschaften um. Ich halte Rabbi Bogomilskys Vorstoß für den richtigen, da er eine offene und tolerante Gesellschaft beabsichtigt, in der gegenseitiger Respekt die Grundlage des Auskommens darstellt und die eigene Identität bewahrt werden kann. Trauriger Weise aber ist die Realität in beiden Fällen eine andere, da die absurde Angst davor, mit dem eigenem Bekenntnis anzuecken, zum unnötigen Rückzug führt. Anstatt nun Chanucka und Weihnachten oder ganz andere Feste auch öffentlich gemeinsam zu feiern, wird dies zum „allgemeinen Sicherheitsrisiko“ stilisiert und der Rückzug in die öffentlich-rechtliche Angst initiiert. In diesem Klima kann man sich gut vorstellen, dass die Heiligen Drei Könige aus der Weihnachtsgeschichte heute an Metallschleusen und anderen Sicherheitschecks scheitern und mit ihren kostbaren Geschenken gar nicht erst zur Kindgeburt im Panikraum gelangen könnten. Als Panikraum (engl. panic room) bezeichnet man in der rasant wachsenden Sicherheits-Branche nichts anderes als die technische Weiterentwicklungen früherer Bunker-Konzepte mit modernster Technik und Ausstattung, um Schutz bei Kriegen oder Einbrüchen und dergleichen zu bieten, wobei sie meistens rein privat sind und eher von Vermögenden eingerichtet werden. Im Jahr 2002 thematisierte der Film „Panic Room“ mit Jodie Foster noch wenig erfolgreich in der Hauptrolle das Konzept. Freilich kam darin auch noch keine Weihnachtsfeier vor …

Published in: on Dezember 19, 2006 at 9:46 am  Schreibe einen Kommentar