Immer noch ohne Titel

Zornesrote Kinderträume

beherrschen mich seit Kleinstem schon

wachsen in mir wild wie Bäume

bekiffen mich wie wilder Mohn

.

Tief im Studium – Millionen Stunden

und ohne Titel, immer noch

hab ich das Wichtigste gefunden

ich liebe dich, ich liebe dich doch

.

Mondig fühlsam auf den Straßen

und wieder einmal teuflisch reiten

bis er einst nie wieder kam

von fern … aus sehnsuchtsvollen Weiten

.

Zornesrote Kinderträume

beherrschen mich seit Kleinstem schon

wachsen in mir wild wie Bäume

bekiffen mich wie wilder Mohn

( Sam, September 1990)

Published in: on Juli 30, 2006 at 4:03 pm  Schreibe einen Kommentar  

Ein kalter Wind fegt übers Eis

Am Königsplatz, abends acht

Die Läden haben zugemacht

Die Straßen sind schon menschenleer

Nur noch Schnee fällt zentnerschwer

Ein kalter Wind fegt übers Eis

Augsburg im Winter ist ein Scheiß 

Ein Penner wankt am Straßenrand

Die Vodka-Flasche in der Hand

Nicht von Engeln auserkoren

Und jeder Hoffnung abgeschworen

Er torkelt zu nem Weihnachtsbaum

Und pisst ihn an, man glaubt es kaum 

Kulturhauptstadt wird Augsburg nicht

Scheint Ruhe hier doch Bürgerpflicht

Kultur vor Ort mehr schlecht als Brecht

Und chronisch noch ersatzgeschwächt

Hauptstadt ist man nur in der Provinz

Als Highlight gilt der Faschingsprinz 

Ein kalter Wind weht durch die Straßen

Mit langer Weile ist nicht zu spaßen

Leute schleichen im Minutentakt

Vermeiden jeden Sichtkontakt

Niemand bringt die Kuh vom Eis

Augsburg im Winter ist ein Scheiß 

( © Sam, 2003 )

Published in: on Juli 21, 2006 at 10:06 am  Comments (1)  

abc – Augsburgs brechtige poetische Zone

 abc-poetische-zone.jpg abc-street-banner.jpg

Unter einem abc kann man vieles verstehen, zum einem das gewöhnlich Alphabet, im weiteren Sinne die Grundlagen – oder -begriffe einer Sache, etwas womit eingeschulte Kleinkinder schießen, wobei es sich in aller Regel nicht um atomare, biologische und chemische Waffen handelt. In Augsburg stand das Kürzel am Wochenende für augsburg brecht connected, also … Augsburg Brecht verbunden … und das meinte eine Fülle verschiedener Veranstaltungen, vom Poetry Slam zu wohlfeilen Reden über eine Brecht’sche Lyrik – Radio Nacht, Video-Installationen und dergleichen mehr, „der Bürger als Vortragskünstler“ war ebenso gefragt wie das Tanzbein bei „Brecht on the decks“. Die Veranstalter wollten die „enge Verbundenheit Augsburgs und seiner Bürger zu Bertold Brecht aufzeigen“, doch außerhalb der „Zone“ war davon nichts zu spüren.

Die meisten Veranstaltungen waren nicht kostenlos, jedoch waren für Studenten, Schüler oder Arbeitslose ermäßigte Tickets zu erhalten. Das hätte Brecht gewiss gefallen. Bei Festivalgästen wie Herbert Grönemeyer hatte man die Frage „Was geht?“ auf den Lippen, doch blieb diese Frage in den Niederrungen des Sports am Pfosten hängen wie ein verschossener Elfmeter.

Es bleibt nun die Erinnerung daran, dass ein Teil der Augsburger Innenstadt für ein Wochenende zur „poetischen Zone“ deklariert wurde. Um sicherzustellen, dass auch unbedarfte Passanten dies bemerken, wurden zur Illustration zahlreiche selbstredende Aufkleber auf die Straße gepappt. Woran sonst sollte man bei einem immerhin auf drei Jahre angelegten Projekt ja nun auch erkennen, dass die Stadt etwas mit Poesie zu tun haben könnte? Das Gute an Witzen in Deutschland ist ja, dass sie einem immer erklärt werden.

Was nun aber ist also eigentlich eine „poetische Zone“? Nehmen wir uns zur Klärung dieser Frage eine zeitgemäße Anleihe bei wikipedia, wo ja bekanntlich alles erklärt wird:

  • Die Medienlandschaft wird anhand verschiedener literarischer Kriterien in unterschiedliche Wortzonen eingeteilt. Diese Zonen werden unter Umständen weiter in Wortarten unterteilt. Eng verknüpft mit den Wortzonen sind die Vegetationszonen, da die pflanzliche wie literarische Artenvielfalt in erster Linie vom jeweiligen Klima abhängt.

  • Hauptursache für das Auftreten verschiedener Klimate ist der unterschiedliche Einfallswinkel der Fördermittel in der Kultur, wodurch starke Unterschiede im Aufkommen aber auch in Bezug auf die Qualität auftreten, die je nach örtlicher Beschaffenheit andere Folgen hervorrufen ( Mythenbildung, Überdruß, Heldenverehrung, usw.)

  • Unter einer Zone versteht man weiter gefasst einen Teil der Erdoberfläche oder im übertragenen Sinne einen nach außen gewandten, von außerhalb wahrnehmbaren Teil eines ganzen, wobei eine Zone sich nach einem bestimmten Kriterium von ihrer Umgebung (benachbarten Zonen) unterscheidet. Unter einer poetischen Zone ist nunmehr eine, meist in Nähe mehr oder minder dicht besiedelter Blätterwälder befindliche, Subkultur zu verstehen, die gewöhnlich großen Wert darauf legt, sich von ihrer natürlichen Umgebung abzuheben.

Dies freilich kann nur gelingen, wenn  man im Brecht’schen Sinne berücksichtigt, dass die Schwärmerei für die Natur von der Unbewohnbarkeit der Städte rührt.

( Yehuda Schenef, 17. Juli 2006 )

http://www.abc-festival.de/

Published in: on Juli 17, 2006 at 10:18 am  Schreibe einen Kommentar  

„Huggggh“, sprach der Bischof

Als praktizierender Jude nimmt man zwar in aller Regel nicht viel arg Notiz von katholischen Bischöfen, aber man hatte mich zugegeben – vielleicht auch gerade deshalb -vorgewarnt, als ich die Gelegenheit zu einer Begegnung mit dem religiösen Führer der Augsburger Katholiken, Bischof Walter Mixa im Rahmen einer JU-Veranstaltung erwähnte. Der Vertreter des Vatikans in der Lechstadt wurde mir selbst von Konservativen als „erzreaktionär“ und „ultra-konservativ“, als „Betonkopf“ oder als „harter Hund“ beschrieben und offen gesagt schreckten mich diese und ähnliche Einschätzungen nun auch nicht ab, da ich im Laufe meines Lebens doch schon einigen Hardlinern der einen oder anderen Richtung begegnete. Mein vordergründiges Interesse galt auch eher dem Umstand, einigermaßen gute Photos zu machen und da ich in Augsburg auch schon den um sein politisches Überleben kämpfenden Kanzler Schröder, seine Herausforderin Merkel, Stoiber, Joschka Fischer, Bundespräsident Köhler, die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, Friedensnobelpreisträger Gorbatschow und andere mehr oder minder Prominente vor meine Linse bekam, ging ich davon aus, dass mir als Photographen auch das Lächeln des Bischofs nicht verwehrt bleiben würde. 

Vom JU-Vorsitzenden Volker Ulrich und dem Chef der Augsburger CSU Bernd Kränzle am Abend des 6. März 2006 nun als bereits 60. Nachfolger des legendären katholischen Stadtheiligen Augsburgs St. Ulrich als „Bischof des Dialogs und der Begegnung“ angekündigt ergriff Mixa das Wort zu einer kurzen einführenden Rede, die er selbst als „Standortbestimmung in der Wertedebatte“ verstanden wissen wollte. Die Themen, die ihm dabei zuvorderst am Herzen lagen, waren eine mögliche „Relativierung des Familien- und Ehebegriffs innerhalb der CSU“. Dazu müsse man zunächst berücksichtigen, dass in Augsburg 61 % aller Haushalte solche von Singles und weitere 20 % Zwei-Personen-Haushalte seien. Lediglich die verbleibenden 19 % umfassen drei Personen und mehr, wobei dies nicht automatisch auf eine Familie im „klassischen SInn“ schließen lassen müsse. Dies sei Ausdruck eines immer weiter zunehmenden Individualismus oder auch „Libertinismus“ an dessen Ende eine zunehmende Anzahl alter Menschen stehe, „zu denen auch ich gehöre“. Gerade alte Menschen aber vereinsamten „in unserer bundesdeutschen Heimat“ zunehmend und bleiben im Alter und Krankheit oft ohne jeglichen familiären und sozialen Rückhalt. Auch vor diesem Hintergrund, so Mixa, verstehe er nicht warum Ministerpräsident Stoiber durchblicken ließe, die traditionellen Standpunkte zu Ehe und Familie relativieren zu wollen. Auch das Schielen auf weitere Wählerschichten in den bayerischen Großstädten ließ der Bischof dabei nicht gelten, denn schließlich waren doch die „doofen Katholiken Ursache für 11 aufeinander folgende absolute Mehrheiten der CSU in Bayern“. 

Ein weiterer damit durchaus auch verbundener „Streitpunkt“ der Kirche war für Mixa die Schwangerenkonfliktberatung, für deren Arbeit die Katholische Kirche seitens des Freistaates keine Zuschüsse mehr bekäme, seitdem die Katholische Kirche ihre Position diesbezüglich verändert hatte, wohingegen in Baden-Württemberg noch eine Bezuschussung von 50 % bestehe. In Bayern jedoch würden nunmehr nur noch „Pro-Familia“ und „Donum Vitae“ seitens der Landesregierung finanziell unterstützt. Diese einleitenden Worte beendete der Bischof mit der wenig klerikalen Formel „Hugggh, ich habe gesprochen“ und stellte sich sogleich den Fragen der rund 30 JU-Vertretern aus Augsburg und Umgebung, die sich im Vortragssaal der St. Ulrich-Gemeinde eingefunden hatten. 

Trotz seiner markanten Ausführungen bezogen sich die ersten Fragen nun aber auf ein ganz anderes Themenfeld, nämlich auf seine Haltung zur Veränderten Arbeitswelt, wobei Stichworte wie Hartz IV und Massenarbeitslosigkeit fielen. Ginge die gegenwärtige Entwicklung in der eingeschlagenen Richtung weiter, so warnte Mixa, so steuerte man unweigerlich „nordamerikanischen, ausbeuterischen Verhältnissen entgegen, wo es an der Tagesordnung sei, dass Arbeitnehmer zwei, manchmal auch drei Jobs benötigten, um „wenigstens einigermaßen über die Runden zu kommen“. Ursache für die wirtschaftlichen Probleme und für die „sozialen Verwerfungen in ihrer Folge“ sei eine zu starke, „ja ausufernde Globalisierung“, eine Entwicklung hin zu einem „geradezu kriminellen Kapitalismus“, dieser sei inzwischen „völlig ungezähmt“ und habe lediglich die „Vorherrschaft des Kapitals über den subjektiven Charakter der menschlichen Arbeit“ im Blick. Dies jedoch führe systematisch zu „Ausgrenzung und Ausbeutung in den Entwicklungsländern und zu wachsender menschlicher Entfremdung in den Industrieländern“. Zwar breiteten sich im Rahmen der weltpolitischen Konstellationen „formal demokratische Systeme“ aus, jedoch „entarteten“ diese „unter dem herrschenden Einfluss finanzstarker Gruppen“ und dem „bloß auf den nächsten Wahltermin schielender Politiker“. Als Gegenentwurf zum „entmenschlichenden neoliberalen Kapitalismus in Reinkultur“ präsentierte der Bischof die Katholische Soziallehre, die es für die moderne Gesellschaft neu herauszustellen gelte.  

Als positives Beispiel führte er die Firma Audi an, die in den 90er Jahren „statt auf Entlassungen auf Arbeitsteilung“ (Kurzarbeit) gesetzt habe und sich so, als sich die Auftragslage wieder besserte, erfahrene und qualifizierte Mitarbeiter bewahrt hatte. Grundsätze zu einer solchen „Mentalität des Teilens“ fänden sich nun aber auch bereits in der Enzyklika „Laborem Excenses“ Papst Johannes Paul II aus dem Jahr 1981, die seinerzeit auch der Unterstützung der unabhängigen polnischen Gewerkschaft Solidarnosc galt und in welcher der Papst die Arbeit als eines der Kennzeichen des Menschen, die ihn von anderen Geschöpfen unterscheidet, postulierte. Die Katholische Soziallehre fuße deshalb nun auf den Prinzipien der Gleichwertigkeit, Solidarität und der Subsidiarität, der Hilfe zur Selbsthilfe. Als rühmliches Beispiel hierfür erinnerte Mixa an das Vorbild der Augsburger Fuggerei, jener ersten, 1516 von Jakob Fugger dem Reichen begründeten „ältesten Sozialsiedlung der Welt“ die in frühkapitalistischen Zeiten in der damals reichsten Stadt Europas entstand, als trotz allen Reichtums der Finanzfürsten 80 % der Einwohner der Stadt in oft bitterer Armut leben mussten. Die heute noch bestehende Einrichtung der Fuggerei mit einer jährlichen Jahresmiete von einem Rheinischen Gulden, der heutigen Werts etwa einem Euro entspricht, sei „ein leuchtendes Beispiel sozialer Wärme und gelebter christlicher Nächstenliebe“ geblieben, fänden dort doch noch immer unverschuldet in Not geratene Katholiken Aufnahme und eine Grundlage für ein einfaches Leben. Vom Augsburger Beispiel der Fuggerei könnte so auch so mancher Großkapitalist der Gegenwart Entscheidendes lernen. 

Insgesamt müsse in der Gesellschaft aber die Rückkehr zur Bescheidenheit gepredigt werden. Das finge bei einem Verdienstlimit für führende Köpfe in Politik und Wirtschaft oder aber auch bei den „völlig unbegreiflichen“ Gehältern mancher Spitzensportler an und ginge so aber durch die ganze Gesellschaft, wo viele zu einer gewissen „Hamstermentalität“ neigten. Diese gelte es aber zu überwinden. Er selbst sei als Militärbischof der Deutschen Bundeswehr lediglich für eine monatliche Aufwandsentschädigung von damals nur rund 300.- DM tätig gewesen, freilich habe er aber auch nie persönlichen Luxus für sich angestrebt. Gegebenfalls müsse nun auch darüber nachgedacht werden, Sozialleistungen für nicht wirklich Notleidende zu beschränken, um zusätzliche Anreize für eine Arbeitsaufnahme zu schaffen. Die vorhandene Arbeit müsse notfalls durch Kurzarbeit geteilt werden, aber auch im Dienstleistungsbereich, wo „komischerweise fast nur noch Ausländer“ tätig“ seien, könnten neue Arbeitsplätze entstehen. Von Arbeitslosigkeit direkt Betroffenen riet der Bischof sich beizeiten Rücklagen zu schaffen und auch eine gewisse „Faulpelz-Krankheit“ zu überwinden, die für viele in unserer Zeit kennzeichnend sei. Viele Arbeitslose dächten nun aber auch, sich für die eine oder andere Arbeit zu gut zu sein, was den Wert der Arbeit als solcher freilich gering schätze und auch ein Teil der kommerzialisierten Konsummentalität sei. 

Angesprochen auf seine Tätigkeit als Militärgeistlicher meinte Mixa, dass heutzutage eine Wehrgerechtigkeit nicht mehr gewährleistet sei, da längst nicht mehr alle Wehrpflichtigen eines Jahrgangs eingezogen würden oder auch nur könnten. Wehrpflichtige seien deshalb ja doch eigentlich die „Depperl der Nation“, da sie gegenüber all jenen, die aus welchen Gründen auch immer am Wehrdienst vorbei kämen, persönliche Nachteile in Beruf und Familienplanung auf sich nehmen würden. Die Wehrpflicht sollte deshalb durch einen allgemeinen Sozialdienst ersetzt werden, zu dem freilich dann auch junge Frauen herangezogen werden sollten. 

Damit war der thematische Bogen wieder zurück zu den familiären Fragen der bischöflichen Eingangsrede gespannt und einmal mehr betonte Mixa dabei, die Wichtigkeit für die gesamte Gesellschaft an den traditionellen Werten der Ehe und Familie festzuhalten. So hielte er nun auch nichts von neuen Sprachregelungen in den Medien und seitens der Politik, wo von sog. „patchwork“-Familien die Rede sei oder davon, dass „Familie da ist, wo Kinder sind“, denn solche Begrifflichkeiten wollten doch nur das Leitbild der Familie aufweichen, zu dem es ein klares und eindeutige Bekenntnis bedürfe. Dies warf unter den weiblichen JU-Mitgliedern dann doch noch die eine oder andere Frage nach der Gleichberechtigung der Frau auf, die insbesondere doch gerade auch in der Katholischen Kirche ein sehr umstrittenes „heißes Eisen“ darstelle. Selbstverständlich seien Frauen ein fester Bestandteil der Katholischen Kirche, betonte der darauf angesprochene Bischof, verwehrt blieben ihnen – „wie auch den meisten Männern“ – lediglich das Spenden von Weihesakramenten. Kirchliches Handeln sei nun einmal an konkrete Vorgaben gebunden, die nicht zur Disposition stehen. Dazu gehöre eben auch, dass Frauen nicht das Weihesakrament empfangen können, wie es Papst Johannes Paul II. 1994 definitiv erklärt habe. Dies bedeute keineswegs eine Zurücksetzung der Frau in ihrem Wesen, sondern folge den Lehren der vom Heiligen Geist inspirierten Kirche. Die Frau hingegen sei im Gegensatz zum Mann dazu berufen, “Trägerin des Lebens” zu sein, da sie dazu über eine “naturhafte Begabung und Begnadigung verfüge, auf die viele Männer – so auch er selbst, manches mal neidisch sei, wie der Bischof einräumte. Zwar könne ein Mann niemals so hassen wie eine Frau, aber auch nicht annähernd so Opfer bereit sein wie eine Frau. Man solle doch nur mal daran bedenken, welche Schmerzen eine gebärende Frau ertrage und sich dabei vergegenwärtigen, wie schnell so mancher Mann doch schon bei einem noch so kleinen Wehwehchen jammere. Damit war das offenbar kontroverse Thema einigermaßen elegant umschifft und die Aufmerksamkeit der einiger Fragenden galt nun auch sogleich der „islamischen Gesellschaft“, in der Frauen „noch weit weniger Rechte“ genössen als in der abendländischen.  

Der Bischof griff die Gelegenheit zum Themenwechsel dankbar auf und erklärte zum Islam, dass dieser eine rein „triebgesteuerte Patricharchenreligion“ sei, deren Erfolg in der Geschichte „längst nicht nur auf dem Schwert“ beruhe, sondern eben darauf, dass viele vom Islam eroberte Völker über sehr ausgeprägte patriarchalische Strukturen verfügten, die es dem Islam leichter als dem Christentum machten, dort dauerhaft Fuß zu fassen. An den aktuellen Konflikten mit der islamischen Welt ließe sich gerade aus katholischer Sicht der rechte Weg ausmachen, führte der Bischof nun weiter aus und erinnerte dabei „die klare und konsequent richtige Ablehnung des Irak-Krieges“ durch Papst Johannes Paul II. die weltweit und gerade auch in der islamischen Welt auf große Anerkennung gestoßen sei. Nichts sei durch den Irak-Krieg besser geworden, aber „fast alles schlimmer“ und die Position der Katholischen Kirche zu den „aggressiven Kriegen der irregeleiteten Bush-Regierung“ habe sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit als die richtige erwiesen.  

Umso mehr sei es verwunderlich, dass die Katholische Kirche als „ältester Global Player“ in der Welt oft sehr zurückhaltend auftrete, wo es doch überhaupt keinen Anlass gebe, sich in Fragen der Menschenrechte gegenüber anderen Religionen der Welt zu bemänteln. Entsprechend forderte er bei seinen meist jungen Zuhörern einen „Schluss mit katholischer Feigheit“, vielmehr solle man als bekennender Katholik offen und mutig für die Lehren und Werte der Kirche auf- und eintreten. Darauf wurde seitens der Zuhörer eingewendet, dass dies ja angesichts katholischer Dogmen wie Heiligen- und Reliquienverehrung oder Marienerscheinungen, nicht gerade einfach sei. Hier verblüffte der Bischof einen Großteil der Anwesenden mit der Feststellung, dass die Verehrung von Heiligen oder Reliquien oder der Glaube an Marienerscheinungen überhaupt keine Dogmen der Katholischen Kirche seien, sondern auf freiwilliger Basis geschehen. Kein Katholik sei dazu verpflichtet Heilige oder Reliquien zu verehren oder zu Orten von Marienerscheinungen zu pilgern. 

Mit dieser offensichtlich viele überraschenden Erkenntnis ging der Abend in St. Ulrich zu Ende und zum Abschluss gab es nach vielen wechselseitigen Dankesbekundungen und Absichtserklärungen dann noch ausreichende Gelegenheit für eine Anzahl von Schnappschüssen und persönliche Unterhaltungen mit dem Bischof. 

Von den mir mit auf den Weg gegeben Vor-Urteilen blieben für meine jüdisch-amerikanischen Ohren kaum etwas übrig. War der nette alte Mann, dem ich fast zwei Stunden lang bei seinen Ausführungen zuhörte wirklich das was ich mir unter „erzreaktionär“ oder „ultra-konservativ“, unter einem „Betonkopf“ vorstellen würde. Dass er als Bischof sehr häufig auf seinen Arbeitgeber zu sprechen kam, konnte mich nicht verwundern und dies war nun selbstverständlich auch nicht zu beanstanden. 

Bei zahlreichen seiner Standpunkte und Ausführungen hatte ich aber den Eindruck, dass seine Worte zweifellos von einem linken US-amerikanischen Gewerkschaftsführer stammen könnten. Auch kamen mir auf dem Weg nach Hause immer wieder US-Demokraten wie Richard Gephardt und Barack Obama in den Sinn oder aber Tom Daschle, die zwar keine Bischöfe, aber immerhin noch Katholiken oder „gute Christen“ sind und 2009 vielleicht auch US-President. Nein, in den USA wäre Walter Mixa als Politiker alles andere als ein Ultrakonservativer. Abgesehen von seiner festen Berufung auf traditionelle Werte von Ehe und Familie würde man ihn ob seiner recht harschen Kritik an Kapitalismus, Medien, Werteverfall und Irak-Krieg zweifellos als „Liberal“, sprich als „Linken“ einstufen müssen, wegen seiner Ablehnung von Abtreibung und Homo-Ehe wahrscheinlich aus den südlichen Staaten des traditionellen bible-belts stammend.  

( ©  Yehu Schenef, April 2006)

Published in: on Juli 16, 2006 at 4:03 pm  Schreibe einen Kommentar  

sternstunden

wo sind die hunde

die die kunde

gehört

von edelsteinen

von schweinen

zerstört

mit ihrem bellen

erzählen

von ringen

in purpur schreiten

auf eseln reiten

singen

innig verwoben

loben

die stern

ihren Herrn

( Margit Hummel 1993 )

Published in: on Juli 14, 2006 at 10:39 am  Comments (1)  

Die Reifeprüfung

Ein tosender Schrei erhob sich in der Stadt

Wie ein entschwundener Fisch aus tiefster See

Viele Steine warfen sie hinein, ehe er sich regte

So mancher traf ihn hart im Inneren

Stein für Stein 

Die Sonne schien ihm ins erwachte Gesicht

An jenem Tag der Reifeprüfung

Angst hatte er schon lange nicht mehr

Denn er war gut vorbereitet 

Du schaffst das. Junge!

Denk nicht an uns, tue es für Dich!

Wir sind so stolz auf Dich!” 

Er überflog den Zettel auf dem Küchentisch

In der Handschrift seiner Mutter und grinste.

Es bleibt bewölkt, vereinzelt sind Schauer möglich

Später aufklarend bei zunehmend milderen Temperaturen

Verkündete das halblaute Küchenradio, als er

Gut gerüstet die elterliche Wohnung verließ

Die Aussicht auf Regen schreckte ihn nicht. 

Er kaufte sich Cigaretten steckte sich auch eine an

Und wartete auf den nächsten Bus

Sah versonnen ins Weite

Er erinnerte sich an den letzten Herbst

Als er mit seinem Hund Über die Felder rannte

Dem aufbrausenden Sturm entgegen

Wie sie beide hernach erschöpft

Aber glücklich im Grase keuchten 

Endlich kam der verdammte Bus

Eine leichte Unruhe kam in ihm auf

Als er mit einem Bruce-Willis-Lächeln

Einstieg und Platz nahm

Dann sah er gelangweilt

Aus dem staubigen Fenster

Sah die Häuser und Straßen

Seiner Kindheit und Jugend

An sich vorbeiziehen

Wie einen Karnevalszug

Bilder und Worte stiegen ihm auf

Kamen und gingen Wie die Menschen im Bus

Station für Station 

Schließlich erreichte der Bus das ZielEr stieg aus, machte ein paar Schritte

Wartete und rauchte eine weitere Cigarette

Frau M. seine frühere Biologielehrerin

Kam vorbei, grüßte überrascht

Er nickte ihr kollegial entgegen

Er sah sich nervös nach seinem Freund um

Und betrat konzentriert die Schule

Ein kleiner Schritt für einen Menschen…”

Murmelte er vor sich hin … 

Er kannte die Aufgabe

Die Fragen und Antworten

Sein erster Weg führte ihn zur Toilette

Ruhig packet er seinen Rucksack aus

Stülpte sich die Ninja-Maske über das Gesicht

Er lud seine Pumpgun und die Selbstladepistole

Sein letzter Blick galt der verbliebenen Munition

Er hatte reichlich, denn er war gut vorbereitet

Sein Plan war perfekt 

Im Treppenhaus begegneten ihm andere Schüler

Jünger und unerfahren, kleine Knirpse

Sie lachten nervös und unbeholfen

Als sie seine Aufmachung sahen

Wie über einen Schülerstreich

Ja, ein Schulstreich

Stolz betrat er das erste Zimmer 

Ohne Zögern eröffnete das Feuer auf die Lehrer

Die so korrekt wie möglich ihre Prüflinge überwachten

Er genoss die Verblüffung in ihren Augen

Wandte sich schnell ab von Schreien, Blut und Tränen

Die Angst der Schüler verstand er nicht

Er war doch einer der ihrenEr tat es doch für sie

So betrat er den nächsten Raum

Tür für Tür 

Schüler liefen aus den Klassenräumen

Flüchteten in den nahen Pausenhof

Versteckten sich in Schränken

Er schoss durch eine verschlossene Tür

Die vor ihm verschlossen wurde

Helle Schreie, das Stöhnen von Getroffenen

Hatte er andere Schüler getroffen?

Das, nein das wollte er nicht

Er fühlte sich wie in einem Film

Fand des albern und nahm die Maske ab 

Plötzlich stand vor ihm Lehrer K.

Sie nicht” befand er lächelnd

Zufrieden und unschuldig

Doch K. sah ihn durchdringend an

Und handelte schnell

Ohne Widerstand schob er ihn

In den großen Zeichensaal

Die Tür schloss von außen

Nun war er allein und sah um sich

Hier hielt er vor einem Jahr ein Referat

Über den Prozess der Osmose 

Frau M. hatte er eben erschossen

Dreimal, vielleicht auch viermal.

Sie hatte ihm nur eine Zwei gegeben

Er zielte mit der Pumpgun auf die Tür

Doch kein Schuss löste sich

Nur stetiges Klacken

Er zuckte mit den Schultern

Ladehemmung, ausgerechnet

 Was wollte er nun tun? 

Er betrachtete Delphine und Wale

Auf den Postern an den Wänden

Blickte dann vom Fenster auf die Straße

Auf einen Menschenauflauf

Auf Polizeiwagen mit blauem Licht

Er öffnete das Fenster Zielte auf einen der Polizisten

Und traf ihn sicher in den Kopf

Er schloss das Fenster wieder

Und drehte sich weg

Genug für heute” sagte er

Er fand, dass ihn das alles

Nichts weiter anginge

Auge um Auge 

Er ging zur Türe, sie war nicht verschlossen

Aber einen Ausweg gab es trotzdem nicht

Nach kurzem Zögern setzte er sich

Auf das freie Lehrerpult

Stemmte wie Lehrer K.

Die Hände in die Hüften

Lachte wie er genießerisch

Über die Bänke hinweg

Na, schon ausgeschlafen heute?” 

Wärme durchflutete sein Gesicht

Der Himmel hatte sich wieder aufgelockert

Und gab die ersten Sonnenstrahlen preis

Er ließ sie für kurze Zeit gewähren

Und meinte, seine Reifeprüfung sei nun bestanden

Sehr gut hast Du das gemacht, mein Junge.

Wir sind so stolz auf Dich!” 

Er kicherte über diese Worte

Keuchte ein atemloses “huuhhh

Setzte sich die Pistole vor den offenen Mund

Und drückte ab 

( Chana Tausendfels  © 1. Mai 2002 ) 

Der sog. “Amoklauf von Erfurt ereignete sich am Vormittag des 26. April 2002 am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Dabei erschoss der von der Schule suspendierte Robert Steinhäuser gezielt 13 Lehrer der Schule, die an diesem Tag die Abiturprüfungen überwachten. Außerdem tötete er einen alarmierten Polizisten sowie zwei Schüler, als er eine verschlossene Tür durchschoss. Damit starben beim „Erfurter Amoklauf“ mehr Menschen als bei anderen vergleichbaren Schulmassakern, wie etwa 1999 an der Columbine High School in Littleton. 

Wie die Alleintäterschaft – Schüler wollten einen zweiten Maskierten gesehen haben – so wurde im Laufe der Jahre auch immer wieder der schließliche Selbstmord Steinhäusers angezweifelt, da seine Pistole nach Aussagen der Rettungsärzte zu weit von ihm entfernt gelegen haben soll und sich keinerlei Fingerabdrücke an der Waffe befanden obwohl der Täter keine Handschuhe trug.

Published in: on Juli 11, 2006 at 10:38 am  Schreibe einen Kommentar  

Augusta celebra il nuovo campione del mondo!

Augsburg feiert den neuen Fußballweltmeister!

Tausende enthusiastische Tifosi feierten in der letzten Nacht auf Augsburgs historischer Prachtmeile der Maximilanstraße ausgelassen den vierten Titelgewinn nach 1934, 1938 und 1982. Auch zahlreiche Nichtitaliener ließen sich von der buchstäblich  überschäumenden Stimmung am Herkulesbrunnen anstecken.

augsburg-tifosi-5.jpgaugsburg-tifosi-4.jpgaugsburg-tifosi-2.jpgaugsburg-tifosi-3.jpgaugsburg-tifosi-1.jpg

Published in: on Juli 10, 2006 at 3:05 pm  Schreibe einen Kommentar  

Lebensregeln

Jeder hat schon von Murphys Law gehört, jener Gesetzmäßigkeit, die besagt, dass alles was schief gehen kann, schief gehen wird. Doch damit sind längst nicht alle Fallstricke des Lebens hinreichend erklärt, zumal manche Kommentatoren schon anmerkten, dass Murphy ein Optimist war.

Hier also ein paar weiterführende Lebensregeln, die nicht zutreffen, so man Glück hat:

 

 

          Die Natur ist immer auf der Seite des versteckten Fehlers.

 

          Sobald die Stewardess den Kaffee bringt kündigt der Pilot Turbulenzen an.

 

          Der Kaffee ist die Ursache der Turbulenzen.

 

          Man findet einen Artikel erst dann wieder, wenn man ihn mühsam rekonstruiert hat.

 

          Jeder Irrtum in den Prämissen erscheint im Ergebnis.

 

          Es ist leichter Vergebung als Erlaubnis zu erhalten.

 

          Der Kunde der am wenigsten zahlt, meckert am meisten.

 

          Bürokratie wächst dadurch, dass immer mehr über immer weniger Arbeit berichtet wird.

 

          Nur eine Bürokratie kann sich gegen eine Bürokratie behaupten.

 

          Wenn zehn Leute die Arbeit von einem machen, ist es ein Ausschuss.

 

          Wer zögert hat wahrscheinlich Recht.

 

          Wenn man zwei Anweisungen erhält, die einander ausschließen, ist es am besten, beiden Folge zu leisten.

 

          Derjenige der am wenigsten Arbeit geleistet hat, erhält am meisten Anerkennung.

 

          Wenn Du jemanden einen Gefallen tust, gehört das ab sofort zu Deinen ständigen Aufgaben.

 

          Wenn Du sie nicht überzeugen kannst, verwirre sie!

 

          Diskutiere nicht mit einem Irren, die Leute können den Unterschied nicht feststellen.

 

          Ein guter Slogan kann jegliches Nachdenken für Jahre aufhalten.

 

          Weisheit besteht darin, im richtigen Augenblick auf Vollkommenheit zu verzichten.

 

          Traue keinem Informanten der nie etwas Falsches berichtet.

 

          Jeder der nicht arbeitet, hat ein System, das funktioniert.

 

          Alles ist möglich, wenn Du nicht weißt, wovon Du redest.

 

          Ein Experte ist jemand, der am meisten Zeit für eine falsche Prognose benötigt und am meisten Geld dafür verlangt.

 

          Wenn Du im Zweifel bist, sage einfach die Fortsetzung des Trends voraus.

 

          Ein Beschluss erfolgt in dem Moment, in dem das Nachdenken beginnen sollte.

 

          Exakte Wissenschaft ist die Kunst, im Nachhinein schlauer zu sein.

 

          Für den, der es nicht selber tun muss, ist nichts unmöglich.

 

          Komplexe Systeme neigen dazu, ihre eigene Funktion zu behindern.

 

          Jeder der etwas herstellt wäre der letzte, der es benutzt.

 

          Was man versteht ist veraltet.

 

          Wenn Du nicht weißt, was Du tust, mache es mit Eleganz und Stil.

 

          Sind die Ergebnisse einer Forschung nicht im Voraus bekannt, werden dafür keine Mittel bewilligt.

 

          Ein Computerprogramm tut, was Du schreibst, nicht was Du willst.

 

          Der Irrtum des einen ist der Fakt des anderen.

 

          Je länger ein Kapitel ist, umso länger dauert es, den Fehler darin zu finden.

 

          Ausgaben steigen mit dem Einkommen.

 

          In Deutschland kommt es nicht darauf an, wie viel etwas kostet, sondern wie viel man dabei spart.

 

          Um Darlehen zu bekommen, muss man erst beweisen, dass man keines braucht.

 

          Je trivialer die Erkenntnis, um so lauter die Zustimmung.

 

          Verwechsle niemals ein Modell mit der Realität.

 

          Die volle Aufmerksamkeit der anderen bekommst Du erst, wenn Dir ein schwerer Fehler unterläuft.

 

          Es gibt keine Antworten, nur Querverweise.

 

          Schlafe niemals mit jemand, der noch verrückter ist als Du.

 

          Wenn Du etwas nicht richtig hinkriegst, bring es groß heraus.

 

          Die Dauer einer Minute hängt davon ab, auf welcher Seite der Toilettentür Du stehst.

 

          Wählst Du eine falsche Nummer, ertönt niemals das Besetztzeichen.

 

          Die meisten Menschen haben einander verdient.

 

          Der Schnarcher schläft immer zuerst ein.

 

          Wer zuletzt lacht hat die Pointe zuvor nicht verstanden.

 

          Egal was passiert, tu so als wäre es Absicht.

 

          Wenn Du das richtige Kostüm trägst, spielt sich die Rolle von selbst.

 

          Nörgler sind die einzigen Menschen, die immer finden was sie suchen.

 

          Betrachtet man ein Problem aus der Nähe, wird man sich als Teil des Problems erkennen.

 

–     Wer selbst nichts zustande bringt, will wenigstens Recht haben.

Published in: on Juli 7, 2006 at 12:19 pm  Schreibe einen Kommentar  

un fois de plus

un fois de plus

je me trouve dans un autre monde

un fois de plus

moi changement les côtés

 

un fois de plus

j’entends sur beaucoup de voix

un fois de plus

je vois les signes du temps 

 

la vivre est un voyage

nous circulons comme le sang

jusqu’à la dernière haleine

celui monte au ciel 

 

un fois de plus

je me trouve dans un autre monde

un fois de plus

je tombe dans les bras étrangers 

 

un fois de plus

je suis amoureux

un fois de plus

je remercie dieu pour tout

 

 

( © Yehuda, 2001)

Published in: on Juli 7, 2006 at 11:04 am  Schreibe einen Kommentar  

Leben

Sieh im Licht des Tages

wie kaum verhüllt

sich erfüllt

ewig

im Dämmern

die Nacht Gestalt gewinnt

und Hoffnung gerinnt

zur Tat

( Margit Hummel, 1997 )

Published in: on Juli 7, 2006 at 10:40 am  Schreibe einen Kommentar