Altered States

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Altered States

I’m the President Elect

Of the Altered States

I’m trying to detect

Who’s to eliminate

Who’s to trust

And who’s suspect

There is no lonelier state

Outside my head No army to invade

Went boom and bust

Now they’re all dead

And everything is said

Hard to concentrate

( © Yehuda 1989)

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Published in: on Juni 30, 2006 at 11:18 am  Schreibe einen Kommentar  

Augsburg

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© Yehuda

Published in: on Juni 30, 2006 at 10:46 am  Schreibe einen Kommentar  

Yehus Drehwörterbuch:

Wären die Begriffe durchgehend logisch, könnte man von Neologismen sprechen. 😉 

 A

Armflora

Arminhalt

Aschenkind

Aschenöffner

Aschenzug

Ährenbürger 

B

Bannbarkeit

bebucht sein

Bibelturm

Bibelkuchen

Bierbändiger

Bierpfleger 

D

Darmbanduhr

Darmbrust

Darmlehne

Darmsessel

Darmstuhl

Darmleuchter 

E

Echsenschuss

Echsenverbrennung

Echsenverfolgung

Echsenwahn

Echsenprozess

Echsensabbat

Eiligenbild

Eilkraft

Eilkunde

Eilpflanze

Eilpraktiker 

F

Flaschengeld

Flaschenlampe

Flaschenkalender

Fernenergie

Fernseife

Fintenfisch

Fischehe

Fischmasch

Fischpult

Fischwald

flegelmäßig

Flegelfall

Flaschenputtel

Feinbuße

Fluchabwehr

Fluchabwehrrakete

Fluchball

Fluchhafen

Fluchlehrer

Fluchlinie

Fluchplatz

Fluchschreiber

Fluchsicherheit

Fluchschule

Fluchsimulator

fluchtauglich

Fragegeist

Frustwarzen 

G

Gammelpunkt

Gammelplatz

Geldmeisterschaft 

H

Hallstrick

Hallschirm

Hallschirmspringer

Hallbeil

Hasenheizung

Herzfeind

Herzengel

Heilbrief

Heiltransport

Heilzustellung

Hodenmantel 

K

Kassierschaum

Kassiercreme

Kassierwasser

Kassierpinsel

Kassiermesser

Kassierspray

Kassenhass

Kernbedienung

Kernheizung

Kerngespräch

Kernseher

Kirchkuchen

Kirchtorte

Kirschenstaat

Kirschensteuer

Kirschturm 

L

Lachbarkeitsstudie

Lachspende

Lachkenntnis

Lachmangel

Lachverständiger 

M

Machgas

Mahnlücke

Mahnersatz

mahnsinnig

Mehrfurcht

mehrfürchtig

Mehrgefühl

Mischvergiftung 

N

Nähestreit

Nähestifter

Nähefrau

Nähemann

Nähetauglichkeitsbescheinigung

Nochzeitsfeier

Notenkopf 

P

Pfarrschein

Pfarrbahn

Plagebogen

Plagestellung 

R

Rindergeld

Rinderschreck

rinderfeindlich 

S

Schreibfisch

Schwitzstreik

Schwitzverteilung 

T

Tittenapostel

Tittenpolizei

Tittenrichter

Tittenroman

Tittenverfall

Totentopf

Tücherwurm 

W

Wandelsbank

Wandgelenk

Wandkuss

Wannenbaum

Wedelmann

Wedelgas

Wedelknabe

Wedelstein

Weltgier/ig

Wortversuch 

Z

Zellenbogen

Zitronenpsalter

Zweckfenster

Zweckhaus

Published in: on Juni 30, 2006 at 8:02 am  Comments (2)  

Yakiv

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Published in: on Juni 29, 2006 at 6:24 am  Schreibe einen Kommentar  

Anti-Amerikanismus oder inner-amerikanische Debatte?


Immer wieder ist – nicht zuletzt in Deutschland – heftige Kritik an der Politik der Bush-Adminstration zu vernehmen. Sei es wegen des „Kriegs gegen den Terror“, den Bush nach den Anschlägen des 11. September 2001 verkündete und der zu Kampagnen in Afghanistan und Irak oder zur Einrichtung des Gefangenen-Lagers in Guantanamo Bay führte, sei in Bezug auf die Weigerung das sog. „Kyoto-Protokoll“ zu ratifizieren, Bush christlicher Glaube, der sich vom Bekenntnis bloßer Papierchristen insbesondere in Europa unterscheidet. Nicht wenige der Kritiker gehen in ihrer Kritik aber über Bush hinaus und sehen ihn in einer langen Kette anderer US-Präsidenten und als bloßen Vollstrecker eines imperialistischen Systems, dass die Weltherrschaft anstrebt, um die Massen als Konsumenten auszubeuten. Je nachdem, ob es sich um links- oder rechts gerichtete Kritiker handelt, werden dabei sodann auch jüdische Kapitalisten genannt oder aber eben auch nicht. Wer mit seiner Kritik nun aber schon mal soweit gegangen ist, kommt nicht umhin eine Kulturkritik an den USA zu üben, sie sodann zur Metapher für eine allgemeine Dekadenz, sei es in Bezug auf Kunst („Wild West“, „Negermusik“, „McDonaldisierung“, „Mickey-Mouse-Kultur“), Nahrung („Fast Food“, „Coca Cola“) und dergleichen mehr einzusetzen. Alles eigentlich was aus den USA kommt oder von ihnen berührt wird, wird demnach „kontaminiert“, moralisch, kulturell oder anderweitig entwertet. Tatsächlich existiert diese Dekadenz-Theorie bereits im 19. Jahrhundert. (Georges Clemenceau 1841-1929: „Amerika – das ist die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne den Umweg über die Kultur!“).

Ist das nun alles Anti-Amerikanismus? Muss man differenzieren zwischen Kritik an Bush, an der US-Außenpolitik, der Innenpolitik? Der Umwelt- oder Gesundheitspolitik? An der Wirtschaftsmacht US-amerikanischer Konzerne? An der Populärkultur in Form von Mickey Mouse, Bugs Bunny, Simpson, Southpark, Hollywood, Jazz, Blues, Rock�n�Roll oder Hip Hop? War die Kunst Warhols dekadent? Die Philospophie Castanedas? Die Litaratur Bukowskis? Oder waren es „The Doors“ mit ihren psychedelischen Drogenexzessen? Sind US-Amerikaner zu dick? Essen sie mehr Tiefkühlpizzas im Monat als Deutsche oder trinken sie mehr (natürlich: „schlechteres“) Bier als Belgier?

Die beißende Kritik an den USA aus dem Munde von Amerikanern wie Gore Vidal oder Michael Moore erfreut sich in auch in Deutschland kolossaler Beliebtheit, bestätigt sie doch scheinbar aus erster Hand viele Vorurteile des deutschen Amerikabildes. Tatsächlich sind solche Schmähreden zutiefst in den politischen Traditionen der USA verwurzelt und eigentlich eine Eigenart des amerikanischen Patriotismus, während hiesige Vorstellungen zu den USA überwiegend deutscher Identitätssuche entspringen. Ohne zu merken was sie tun, nehmen deshalb nicht-amerikanische USA-Kritiker, ob sie nun Bush meinen, die Außenpolitik, McDonalds oder Southpark, Hip Hop oder Pepsi Cola an einem inner-amerikanischen Diskurs teil und zwar als Außenstehende. Kritik an Bush wird in einer Weise und Vehemenz vorgetragen, als stünde er in Deutschland zur Wahl. Zu den letzten US-Wahlen zeigten zehn Fernsehstationen nachts stundenlange Live-Sondersendungen mit zahllosen Konferenzen und „Amerika-Experten“. Die Frage, ob die deutschen Bundestagswahlen in den USA ein auch nur annäherndes Interesse finden erübrigt sich. Kritik an Bush, an der Globalisierung, am Vietnam- oder Irak-Krieg, all das findet sich in den USA, stammt sogar von dort, so wie seit „Seattle“ es zur Pflicht wurde, bei internationalen Gipfeln gegen den bösen Kapitalismus zu demonstrieren. „Greenpeace“ wurde bereits 1969/1970 auf amerikanischen Boden von US-amerikanischen Aktivisten (viele von ihnen Quäker) in Canada gegründet. Sogar die deutschen Grünen finden in der deutsch-amerikanischen Wahlkampfhelferin Robert Kennedys Petra Kelly eine frühe Symbolfigur. Linksradikale Deutsche zitieren zu gern Noam Chomsky, rechtsradikale berufen sich nicht minder gerne auf Norman Finkelstein, Kritiker des Fast Food greifen auf die „California Cuisine“ zurück, die in Deutschland recht populären „mexikanischen“ Restaurants basieren auf der Vorliebe für die feurige Tex-Mex-Küche im Süden der USA. Kritik und Gegenkritik stammen aus den USA und so sehr man die Kritik gerne vehement vorträgt, so kritiklos übernimmt man die Gegenkritik, ohne zu verstehen, dass sie Teil dessen ist, was man eigentlich kritisieren wollte. Und was soll man sagen, sogar die geistigen Nachfolger der einstigen Nazis werden als „Skinheads“ bezeichnet und ahmen aus den 60er Jahren stammende US-Subkulturen.

Der einzige Gegenentwurf zum Amerikanismus ist derzeit der radikale Islam, und selbst dieser ist kulturell und technisch längst amerikanisiert. Man sieht es daran, dass die islamische Kultur, die an sich „bilderlos“ sein wollte, nur noch auf Medien fixiert ist, die Bilder liefern:

– eigene Nachrichtensender (Al Jazira, Al Arabiya, usw.)
– Bin Laden-Videos
– Videos von Entführten im Internet
– Karikaturen-Streit + Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb aus Teheran
– Demos mit brennenden Fahnen, usw.

Sie vertrauen alle längst auf die Macht der Bilder, sprich auf American TV: Die heutigen Muslime sind mehr von CNN und „Hollywood“ als vom Koran geprägt, so wenig ihnen das auch bewusst sein mag. Ihr „Gegenentwurf“ zum Amerikanismus ist nur noch eine seichte Inszenierung. Schon bevorzugen auch ihre Massen American Soft-TV, einfach weil es bequemer ist. Schon sind auch sie eigentlich Bestandteil des virtuellen Auslands-Amerikas geworden, weshalb es auch nicht verwundert, dass schließlich manche Europäer für „die Araber“ Partei ergreifen.

All das ist für US-Amerikaner etwas bizarr, aber auch reichlich unterhaltsam. denn fast alles was als Amerika-Kritik auftritt ist als „Interna-Debatte“ bestens vertraut. Ist es auf diese Wiese eigentlich möglich, von einem „Anti-Amerikanismus“ an sich zu sprechen?

Ich „fürchte“ nein. Es sind inner-amerikanische Debatten, die von Möchtegern-Amerikanern nachgeäfft werden. Sie kritisieren Bush, weil sie selbst gerne einen anderen US-Präsidenten wählen wollten, verkennen dabei aber, dass sie keine US-Bürger sind und kein Wahlrecht besitzen. Das ist traurig aber nicht zu schade. Zwar empfinden diese Amerika-Kritiker wie benachteiligte „Bürger zweiter Klasse“ und möglicherweise sind sie das auch in ihren eigenen Ländern.

Ich meine, wir Amerikaner sollten freundlicher mit unseren virtuellen Landsleuten umgehen und ihnen mehr Teilhabe geben, wie z.B. virtuelle Staatsbürgerschaften, vielleicht im Rahmen einer großen Online-Community wie dol2day mit Wahlrecht und Pässen, wie man sie mittels Druckstudio-Software leicht herstellen kann. Man könnte das repräsentative Amt eines Auslandspräsidenten einrichten – vielleicht ein Job für Hillary Clinton?
( © Tom Kretner)

Published in: on Juni 28, 2006 at 4:17 pm  Schreibe einen Kommentar  

Augsburg vor 140 Jahren: Sitz des Deutschen Bundestags

Der Bundestag des Deutschen Bundes tagte zuletzt in Augsburg im August 1866 und beschloss dabei am 24. August seine Auflösung.

Der Deutsche Bund war eine 1815 als lose Konföderation deutscher Staaten mit Sitz in Frankfurt am Main begründet worden und trat als solcher die Rechtsnachfolge des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation an. Die Gründungsurkunde, die Deutsche Bundestakte gilt als Vorläufer des Deutschen Grundgesetzes und wurde von 41 Mitgliedsstaaten unterzeichnet, darunter 37 Fürstentümer und 4 freie Städte. Nur Entscheidungen, die dort mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit angenommen wurden, waren für alle Einzelstaaten bindend. Ansonsten galten die jeweiligen Landesgesetze.

Nachdem die Nationalversammlung in Frankfurt nach der gescheiterten Märzrevolution 1848 dem Königreich Preußen die Führungsrolle im Deutschen Bund zuerkannt hatte, verschärfte sich der Dualismus zwischen Österreich und Preußen, der durch die gemeinsame Gegnerschaft gegenüber nationalen und liberalen Forderungen in den Hintergrund geraten war. In der Folge konnte der Deutsche Bund seine Aufgabe als Puffer zwischen den beiden Großmächten Preußen und Österreich zu wirken nicht erfüllen und geriet in die Schusslinie des „Deutschen Krieges“ zwischen den beiden Königreichen.

Im Zuge des Krieges wurde Frankfurt, dass wie die anderen süddeutschen Parteien im Krieg auf der Seite Österreichs stand, von den Truppen Preußens besetzt, woraufhin die verbliebenen Delegierten des Bundestags nach Augsburg flohen. Dort residierte das Parlament der südlichen deutschen Staaten im Hotel Drei Mohren vom 14. Juli ab bis zu seiner vierzigsten und letzten Sitzung am 24. August 1866, bei der das Gremium in Folge des Friedens von Prag am Vortag seine Selbstauflösung beschloss. Im Friedensvertrag der auch unter Vermittlung des französischen Kaiser Napoleon III (der selbst als Schüler von 1821 bis 1823 das St. Anna Gymnasium in Augsburg besucht hatte) zustande kam, musste Österreich der Annexion Schleswigs und Holsteins sowie einiger anderer nord- und mitteldeutscher Gebiete durch Preußen sowie der Neuordnung Deutschlands in Form des Norddeutschen Bundes, d. h. einem deutschen Staatenbund ohne Österreich zustimmen. Der vollständige Anschluss der süddeutschen Staaten war so auch bereits in der Verfassung des Norddeutschen Bundes vorgesehen, die der aus allgemeinen und gleichen Wahlen hervorgegangene Norddeutsche Reichstag am 16. April 1867 verabschiedete. Darüber hinaus stand laut der Verfassung Preußen das Bundespräsidium zu sowie die Verantwortung für die Außenpolitik und das Heer; dem preußischen Ministerpräsidenten, also Bismarck, wurde das Amt des Bundeskanzlers übertragen.

Als sich die Abgeordneten des Deutschen Bundestags – unter ihnen auch Hermann von Mayer, der als “Bundes-Cassier” die “Bundes-Casse” vor den Preußen retten wollte – in Augsburg einfanden, war die militärische Entscheidung mit der Schlacht von Königsgrätz am 3. Juli bereits zugunsten Preußens gefallen. Die Delegierten im Augsburger Nobelhotel repräsentierten eine alte Ordnung, die bereits entkräftet war. Deutschland befand sich auf dem Weg der Einigung unter preußischer Hegemonie und unter Ausschluss Österreichs. Erst im nationalsozialistischen Großdeutschen Reich, sollte sich kurzfristig die damals angestrebte Reichseinigung aller deutschen Staaten kurzfristig verwirklichen, ehe die Folgen neuerlicher Kriege diese Ambitionen endgültig (?) zerschlugen.

Im Sommer 2006 jährt sich diese wichtige historische Zäsur der deutschen Geschichte und politischen Entwicklung zum 140. Mal und wirft damit auch ein Licht auf ein wenig bewusstes Detail Augsburger Stadtgeschichte, das zum Jubiläum gewürdigt werden sollte.

(Yehuda Schenef)

Published in: on Juni 28, 2006 at 2:47 pm  Schreibe einen Kommentar  

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Published in: on Juni 28, 2006 at 8:59 am  Schreibe einen Kommentar  

Grasgeflüster

Hinter dem grauen Gitter des Regens

Als Geißeln eines zinnernen Lebens

Suchen unser Glück im Grasgeflüster

Auf der Suche nach verdammter Freiheit

Verbergen wir uns hinter den grauen Gitter des Regens

Als Geißeln zinnernen Lebens

Im Schatten gusseiserner Adlerfittiche

Bauen wir die Nester unserer Spatzenleben

Und flicken unsere Seelenlöcher mit Lehm

Und klauben die Krummen vom Tisch

Hinter den Stacheldrahtaugen der Fremde

Klauben wir die Krummen vom Tisch

Und flicken unsere Seelenlöcher mit Lehm

Hinter dem grauen Gitter des Regens

Finden wir unsere Berufung in karger Sättigung.

Die wir unserer alten Heimat entwurzelt sind

Hinter der ewigen Leere unserer Sehnsüchte

In der sterilen Leere der papiernen Herzen.

Sterbend vor geistigem Durst

Klauben wir die Krummen vom Tisch

Und finden unsere Berufung in käuflicher Sättigung

 Im Schatten gusseiserner Adlerfittiche

In tönerner Liebkosung, in zinnerner Umarmung

Suchen unser Glück im Grasgeflüster

Auf der Suche nach verdammter Freiheit

Verbergen wir uns hinter den grauen Gitter des Regens

Wo wir uns ohne Scham verkaufen

Und unser Glück suchen im Grasgeflüster

Doch das Gras bricht hervor mit Urgewalt

Hinter dem grauen Gitter des Regens

Hinter den Stacheldrahtaugen der Fremde

Hinter der ewigen Leere sehnsüchtigen Daseins

Hinter dem toten Lächeln aus Lehm

Hören wir durch den Asphalt die Worte des Grases:

„Aus der Asche ihrer Vorväter bin ich ihnen entwachsen

Hinter dem grauen Gitter des Regens

Im Schatten der ehernen Fittiche des Adlers.“

 

© Yakiv Samoylovych Oktober 2005

Published in: on Juni 28, 2006 at 8:30 am  Schreibe einen Kommentar  

Niemandsland

Ich fliege übers Niemandsland

Mit einer entschlossenen rechten Hand

Und dem Gemüt eines jungen Preisboxers

Umklammere einen Joystick

Wie den Griff eines Bierkruges

Mit einem lapidaren Knopfdruck

Könnte ich Hagel und Blitze entladen

Wie ein Jahrhundertgewitter

Im Senkflug einer Schwalbe

Schon im Bruchteil einer Sekunde

Könnte die Erde unter mir

In lodernden Flammen stehen

Und in den Schlagzeilen

Doch unsere heutige Mission

Dient nur der Aufklärung

Ich murmle kodierte Kürzel

In die Ohren des Zentralkommandos

Die in weit entfernten Bunker lauschen

Wie misstrauische Nachbarn an Wänden

Nein, keine Besonderheiten zu sehen

Keine feindlichen Stellungen

Nur ein paar Eselskarren

Ein paar Bauerndörfer

Kinder auf einem Hügel

Ihre Hände zeigen zum Himmel

Ein Schäfer mit seiner Herde

Wie einst der junge David

Wie so oft auch heute … nur Routine

Nicht so wie vor drei Tagen

Wir kehren zurück

Aus dem Niemandsland

Trinken im Hangar ein Bier

Mit unseren Mechanikern

Spielen Karten und hören Radio

„For those about to rock …“

Turnusgemäß schreibe ich den Bericht

Über den Erkundungsflug

Gebe ihn beim Kommandanten ab

Ich gehe mit Freunden essen

Abends döse ich im Bett

Der Nachrichtensprecher sagt

Im Norden keine Zwischenfälle

Ich schlafe ein und träume

König David hämmert auf seiner Harfe

Wie ein Held rast er auf seiner Bahn“

Hör ich den Rotschopf singen

„Von einem Ende des Himmels

Bis zu seinem anderen

Nichts im gesamten Umkreis

Bleibt seinem Zorn verborgen“*

Feuerbälle regnen vom Himmel

Ein lauter Knall erschreckt mich

Verbrennt Bäume und Schafe

Ich wache auf und sehe um mich

Schweißgebadet taste ich nach dem Licht

Ein Buch war aus dem Regal gefallen 

(* Psalm 19.6-7)

(Yehuda Schenef: Hebräisches Original „admat hefker“ – 1994 / Übersetzung: 2003)

Published in: on Juni 27, 2006 at 9:59 am  Schreibe einen Kommentar  

Das rätselhafte Gräberfeld an der Grottenau

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Archäologische Grabungen am Augsburger Ernst-Reuter-Platz, wo ab Herbst dieses Jahres der Spatenstich für die neue Augsburger Stadtbücherei geplant ist, legten kürzlich ein altes Gräberfeld frei. Die nach Osten ausgerichteten Gebeine ohne jegliche Grabbeigaben werfen Fragen auf, um welche Gräber es sich handelt und wann sie angelegt wurden. 

Spekuliert wird, ob die sechs bislang gefundenen Gräber (zunächst waren drei entdeckt worden), die anstelle eines hier vermuteten antiken römischen Kastells unter der Aufsicht des Grabungsleiters Stephan Kaltwasser vom Freien Institut für angewandte Kulturwissenschaft (FIAK) zu Tage traten, aus römischer, spätrömischer oder gar mittelalterlicher Zeit stammen. Der Augsburger Stadtarchäologe Dr. Sebastian Gairhos mutmaßt gemäß einem Artikel der Augsburger Allgemeinen, die Funde könnten aus dem 4. oder 5. Jahrhundert stammen, stellt aber auch fest, dass sich am heutigen Ernst-Reuter-Platz „im Mittelalter“ Gärten der nahe liegenden Patrizierhäuser befanden. Da freilich nicht davon ausgegangen werden kann, dass deren Bewohner ihre Toten im Garten begruben, deute vieles aber auf Römer hin. Das Fehlen von Grabbeigaben erklärt sich Gaierhos damit, dass hier vielleicht Christen oder sehr arme Leute begraben wurden. Unter zeitlichem Druck, so heißt, stünden die Archäologen nicht, da bis zum Baubeginn der geplanten Stadtbücherei zwischen Grottenau und Stadtmarkt der „archäologische Krimi“ in Ruhe untersucht werden könne. 

Man fragt sich freilich, was es nun eigentlich sein mag, was auf Römer deuten soll, da bekanntlich Römer ihre Toten nicht in der Erde bestatteten, sondern verbrannten. Auch ist unklar, warum Gräber ohne christliche Grabbeigaben ein Beleg für christliche Gräber sein müssen, wo sonst solche eben gerade erst durch ihre Grabbeigaben als solche identifiziert werden können. Auch die Ausrichtung der Gräber nach Osten, die für christliche Gräber bis heute nicht signifikant ist, deutet möglicherweise in eine ganz andere Richtung.  

Von den Grabfunden zur heutigen Karlstrasse, der alten Judengasse an der Ecke Kesselmarkt sind es entlang der Ludwigstraße und der Kleinen Grottenau gerade einmal 170 m. Sollte die heutige Ludwigstrasse, die nur durch ihre heutige Namensgebung von der Karlstraße, aber in keiner Weise räumlich von ihr getrennt ist, sondern diese fortsetzt, auch in früherer Zeit zu hochmittelalterlichen Judengasse gehört haben, was keineswegs  verneint werden kann, wären es jedoch nur bloße 60 m. Denkt man sich zudem noch die heutigen Bauten an der Südseite der Ludwigstraße weg, die es nötig machen, über die Kleine Grottenau zum Grabplatz zu gelangen, wäre die Strecke nochmals ganz bedeutend kürzer und betrüge nur mehr wenige Meter. Wäre hier tatsächlich ein jüdischer Friedhof gewesen, wäre er in direkter Nachbarschaft zu Judengasse gewesen und hätte unmittelbar an sie angegrenzt.  

Gab es hier also einen alten jüdischen Friedhof in der Augsburger Innenstadt? Das wesentlichste Argument dagegen dürfte sein, dass sich unweit des Judenviertels im Nordwesten der Altstadt doch ein historisch belegter Friedhof befand, der in alten Dokumenten und Karten als „Judenkirchhof“ bezeichnet ist. In einer erhaltenen Urkunde aus dem Jahre 1298 verpflichteten sich die Augsburger Juden gegenüber den oberen der Reichsstadt sogar dazu auf eigene Kosten und unter dem Pfand all ihres Vermögens, eine Mauer zu errichten, um die Stadt und den Friedhof zu sichern. Noch bis ins 19. Jahrhundert hieß die Ummauerung in Augsburger Stadtkarten demgemäß auch Judenwall und die dort später errichtete militärische Befestigung Judenbastei. All dies ist bekannt und ausreichend dokumentiert. Jedoch geht aus keinem Dokument auch hervor, dass der durch die Mauer im Jahre 1298 gesicherte Friedhof bereits belegt war. So gibt es auch keinen Beweis dafür, dass mit der Mauer auch der Friedhof selbst erst angelegt wurde. Verbürgt aber ist, dass es zumindest seit 1210 eine jüdische Gemeinde in der Stadt gab, mit Synagoge, Tanzhaus und eigenem Ritualbad. Gleichfalls sicher ist, dass Augsburg im 13. Jahrhundert sich territorial ausdehnte, auch gerade nördlich der alten Bischofsstadt. Es ist demnach durchaus plausibel anzunehmen, dass der Judenkirchhof Teil dieser Erweiterungen war, die sich östlich davon bis zum Fischertor an der heutigen Frauentorstraße erstreckten, die zunächst Windgasse hieß. Wenn nun aber der jüdische Friedhof am Judenwall erst in dieser Zeit entstanden ist, dürften sich dort keine Gräber aus dem 13. Jahrhundert dort befinden. Solche sind in der tat auch nicht nachweisbar. Dann freilich stellt sich die Frage, wo die seit mindestens neun Jahrzehnten existierende jüdische Gemeinschaft zuvor ihre Toten bestattet haben könnte. Dass dies ganz in der Nähe der Judensiedlung an der historischen Judengasse geschehen sein soll, ist alles andere als abwegig. Die spätere, im oben zitierten Zeitungsartikel erwähnte Nutzung des Geländes als Gärten von Patrizierhäusern ist ohnehin erst für das frühe 16. Jahrhundert belegt, als es längst keine jüdische Gemeinde mehr in der Stadt gab. Diese verließ Augsburg in den Jahren 1438 bis 1440. Jahre danach beschlagnahmte die Reichsstadt die Grabsteine des Judenkirchhofs und verbaute sie im ersten steinernen Rathaus der Stadt und an anderen Stellen.  

(yehu, 25.06.2006) 

Quellen:

Augsburger Allgemeine,  13.04.2006, 

Augsburger Extra – Wochenzeitung für Augsburg, 19.04.2006 

 

Published in: on Juni 27, 2006 at 9:41 am  Schreibe einen Kommentar